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Wie funktionieren Tönungen?

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Auswaschbare und semipermanente Haarfärbemittel (auch Tönungen genannt) verändern das Haar nur in begrenztem Umfang, denn sie färben nur das Äußere des Haares (die Schuppenschicht). Dies kann mit Farbe auf pflanzlicher Basis (wie etwa Henna) geschehen oder mit synthetischen Farbstoffen. Unabhängig von ihrer Herkunft dringen diese Färbemittel nur in die äußerste Schicht des Haares ein und verändern in keiner Weise die innere Struktur des Haarschafts. Diese Art von Färbemitteln sind also eine gute Wahl für alle, die dem Färben eher zurückhaltend gegenüberstehen oder nur eine ganz dezente Tönung wünschen (und nicht viele oder gar keine grauen Haare besitzen, die sie kaschieren möchten).

Permanente Haarfarben (auch Oxidationshaarfarben genannt) mit den Bezeichnungen “Level 2” (Intensivtönungen) oder “Level 3” (Colorationen) erfordern eine Anwendung in zwei Stufen. Sie alle verwenden die gleichen Grundzutaten und lösen die gleichen tiefgreifenden chemischen Prozesse aus:

1.  Die erste Komponente enthält eine alkalische Basis (fast immer mit einem pH Wert von 10 oder 11), die den Haarschaft aufquellen lässt, so dass die Haarrinde (der Cortex) durchlässig wird und die Moleküle der Farbvorstufen sie durchdringen und in das Haarmark eindringen können.

2.  Eine bestimmte (je nach Produktzusammensetzung unterschiedliche) Menge Wasserstoffperoxid entfernt die Pigmente Ihrer bestehenden Haarfarbe von der Haarrinde.

3.  Wenn die Moleküle der Farbvorstufen erst einmal die Rinde durchdrungen haben, durchlaufen sie einen chemischen Prozess, bei dem sich lange Ketten von Farbmolekülen bilden, die groß genug sind, im Haarschaft zu verbleiben und beim Waschen nicht herausgeschwemmt zu werden. Die Bezeichnung Oxidationshaarfarben verdanken diese Tönungen und Colorationen dem Peroxid.

Auf mikroskopischer Ebene sind die Färbemittelmoleküle in der Lage, eine endlose Vielfalt an Farbtönen und intensitäten zu erzeugen. Kosmetikchemiker haben durch Computersimulation Tausende und Abertausende möglicher Farbkombinationen für die Haare entwickelt. Diese Färbemoleküle sind der ganze Stolz der Herstellerfirmen. Ob es sich um eine Farbcreme, ein Farbgel, eine Farbfönlotion oder einen Farbfönschaum handelt: das Resultat hängt immer vom pH Wert des Produkts (der auf jeden Fall alkalisch sein muss), der Molekularstruktur des Färbemittels und der Wasserstoffperoxidkonzentration ab. Unabhängig von den Werbeversprechen gilt: Ganz gleich, wie natürlich, biologisch, organisch oder feuchtigkeitsspendend ein Produkt sein soll (was es garantiert nicht ist) – permanente Haarfarben schaden dem Haar. Aber sie sorgen natürlich auch für eine schöne Abwechslung und herrliche Farbveränderungen. (Quelle: Journal of Cosmetic Science, Juli/August 2003, Seite 395–409.)

Paula Begoun