WILLKOMMEN BEI PAULA'S CHOICE DEUTSCHLAND!

du learncateg 2-680x70
Körperpflege > Zugekleistert mit Cellulitecremes

Zugekleistert mit Cellulitecremes

Share

DruckenE-Mail

Während die Zahl der Produkte, von denen behauptet wird, sie könnten Cellulite (Orangenhaut) verschwinden lassen, rapide zunimmt, sind Studien, die deren Wirksamkeit belegen könnten, nur schwer zu finden. Alles in allem besagt die Forschung klar und deutlich, dass diese Mittel nicht wirken, aber gegen die Verlockungen dieser Wundermittel kommt man nur schwer an. Niemand von uns will Orangenhaut haben, aber der Kampf dagegen ist eine Sisyphusarbeit, bei der Gewichtsverlust nicht unbedingt hilfreich ist. Der American Academy of Dermatology zufolge ist Cellulite sogar die natürliche Art und Weise, auf die der Körper bei erwachsenen Frauen Fett speichert. Es schockiert Sie möglicherweise zu erfahren, dass die meisten Frauen, wenn sie nicht gerade extrem unterernährt sind, ein gewisses Maß an Cellulite aufweisen. Bei manchen Frauen, insbesondere sehr dünnen, mag es sein, dass man die Orangenhaut nur dann erkennt, wenn man die Haut kneift, aber bei der großen Mehrheit der Frauen ist immer ein gewisses Maß an Cellulite sichtbar.

Man nimmt an, dass Cellulite dadurch auftritt, dass sich Fettzellen ansammeln, die durch möglicherweise geschwächte Hautzellen hindurchdringen oder mit ihnen verwoben sind. Viele Firmen, die Anti-Cellulite-Produkte verkaufen, sprechen hier von „gefangenem Fett“, was eigentlich eine ganz brauchbare Analogie ist. Auf jeden Fall ist es eine Tatsache, dass Frauen weitaus eher zu Cellulite neigen als Männer, was möglicherweise daran liegt, dass sie mehr subkutane Fettzellen in ihren Hüften und Schenkeln besitzen (Quelle: Journal of Applied Physiology, April 2002, Seite 1611–1618).

Es gibt eine lange Liste von Produkten, von denen behauptet wird, man könne sie auf die Haut aufreiben und damit irgendwie das Fett „freisetzen“ und den Hautton verbessern, um das Erscheinen von Cellulite zu eliminieren oder zu reduzieren. Trotz der Popularität dieser Lotionen und Mittel bleiben zwei Fragen offen: (1) Warum gibt es keine Zusammenhänge in den Formeln dieser Produkte? (2) Welche Belege gibt es für die Wirksamkeit dieser Produkte? (Quelle: Skin Research and Technology, Mai 2002, Seite 118–124). Das European Journal of Dermatology (Dezember 2000, Seite 596–603) prüfte 32 Celluliteprodukte, die zwischen 4 und 32 Inhaltsstoffe enthielten und sich kaum ähnelten. „Vierundvierzig verschiedene pflanzliche Stoffe und 39 verschiedene Weichmacher wurden in diesen 32 Produkten verwendet. Koffein, das in 14 Produkten enthalten war, war der verbreitetste Zusatz, offensichtlich ein ,Wirkstoff‘. In anderer Hinsicht ähnelte die Zusammensetzung dieser Produkte Hautcremes.“ Kosmetikunternehmen stopfen wahllos Pflanzen in diese Mittel hinein, ohne einen Beweis für deren Wirksamkeit zu besitzen, aber mit ihren Werbeversprechen animieren sie die Verbraucher immer wieder dazu, noch ein weiteres Mittel gegen Cellulite auszuprobieren.

Aminophyllin, ein verschreibungspflichtiges Bronchospasmolytikum (Arzneimittel zur Erweiterung der Atemwege), geriet als Inhaltsstoff von Cellulitecremes in der Folge einer Studie, die in Obesity Research (November 1995, Anhangseiten 561S–568S) veröffentlicht wurde, in Verruf. Die Aussagekraft dieser inzwischen überholten Studie wurde seinerzeit in Zweifel gezogen, weil einer der Verfasser des Artikels zum damaligen Zeitpunkt eine Aminophyllincreme vermarktete und folglich nicht gerade objektiv war. Außerdem war die Zahl der Probanden bei dieser Studie sehr klein, und die meisten von ihnen machten gleichzeitig eine Diät oder betrieben auch noch Sport, als sie die Aminophyllincreme anwandten (Quelle: Annals of Pharmacotherapy, März 1996, Seite 292–293).

Zweifel am Wert von Aminophyllin wurden auch durch eine Doppelblindstudie untermauert, die in Plastic and Reconstructive Surgery (September 1999, Seite 1110–1114) veröffentlicht wurde und die Wirksamkeit von drei verschiedenen Cellulitebehandlungen bei drei verschiedenen Gruppen von Frauen untersuchte. Eine Gruppe verwendete zweimal täglich Aminophyllincreme im Unterschied zu einem Placebo, eine andere unterzog sich zweimal pro Woche einer Endermologiebehandlung (eine Maschine, die über die Haut walzt und angeblich Cellulite beseitigen soll) an einem Bein und tat nichts mit dem anderen Bein, und die dritte Gruppe wandte Endermologie an beiden Beinen an und verwendete zusätzlich die Creme genau wie die erste Gruppe. „Zwischen den Gruppen gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Vermessung der Beine. … [Selbst b]ei der besten subjektiven Bewertung durch die Patienten ergab sich nur bei 3 von 35 mit Aminophyllin behandelten Beinen und bei 10 von 35 mit [E]ndermologie behandelten Beine eine [gefühlte] Verbesserung des Erscheinungsbilds der Cellulite.“ Aminophyllin scheint also auch nicht die Antwort auf Cellulite zu sein, wenngleich es immer noch in einigen Cellulitecremes auftaucht.

Koffein wird als Inhaltsstoff in Cellulitecremes aufgrund seiner entfernten Verwandtschaft zum Aminophyllin eingesetzt. Aminophyllin ist eine modifizierte Form von Theophyllin, und beide sind Bronchospasmolytika (Quelle: Yale New Haven Health Library, Alternative/Complimentary Medicine, www.yalenewhavenhealth.org), und Koffein enthält Theophyllin (Quelle: Progress in Neurobiology, Dezember 2002, Seite 377–392). Es gibt keine Untersuchungen, die beweisen oder widerlegen, dass Theophyllin einen Einfluss auf Cellulite hat. Lediglich die Assoziation mit Aminophyllin und in der Folge die Verwandtschaft zum Koffein machen es zu einem natürlich klingenden Kandidaten für eine Cellulitecreme. Es gibt zwei Studien, die zeigen, dass Koffein bei Cellulite von Nutzen ist, aber eine dieser beiden Studien wurde von Johnson & Johnson in Auftrag gegeben, der Muttergesellschaft von RoC und Neutrogena, die beide koffeinhaltige Cellulitecremes verkaufen, und die andere von Herstellern kosmetischer Inhaltsstoffe, die ebenfalls Mittel gegen Cellulite vertreiben (Quelle: Journal of Cosmetic Science, Juli/August 2002, Seite 209–218). Es gibt keine anderen, unabhängigen Studien, die einen Nutzen von Koffein bei der Behandlung von Cellulite festgestellt haben, und auch keine, die aufzeigen würden, welche Koffeinmengen notwendig wären, um Ergebnisse zu erzielen. Außerdem stellt sich die Frage: Wenn Koffein die Antwort wäre, hätte dann nicht der tägliche Konsum von Tee oder Kaffee (natürlich ohne Milch und Zucker) eine innere Wirkung? Oder könnte man sich dann nicht einfach Kaffee auf die Schenkel schmieren oder ein Peeling mit gemahlenem Kaffee zubereiten, um Cellulite loszuwerden? Wäre das nicht eine Idee, wie Starbucks neue Kunden gewinnen könnte?

Andere Cellulitecremes haben versucht, die Beschaffenheit der Haut auf den Schenkeln zu verbessern, indem sie Inhaltsstoffe wie Retinol (Vitamin A1) oder Alpha-Hydroxy-Säuren (AHA) verwenden (Quelle: American Journal of Clinical Dermatology, November/Dezember 2000, Seite 369–374). Theoretisch kommen diese Substanzen einem etwaigen Potential zur Verbesserung von Cellulite noch am nächsten. Wenn Cellulite ein Problem der Hautstruktur ist, dann sollte es einen Unterschied machen, wenn man Inhaltsstoffe aufträgt, die helfen, die Hautstruktur zu verbessern. Einige wenige Studien zeigen, dass dies der Fall ist, aber die Zahl der Probanden in diesen Untersuchungen war äußerst gering (Quelle: American Journal of Clinical Dermatology, November/Dezember 2000, Seite 369–374). Wichtig ist hier die Feststellung: Wenn Retinol oder AHA helfen können, dann brauchen Sie nichts, was als „Cellulitecreme“ deklariert wird, um es einmal auszuprobieren.

Letztendlich ist es wohl am sinnvollsten, wenn man sich von Cellulite nicht verrückt machen lässt (ich weiß: das ist leichter gesagt als getan!) und sich statt dessen darauf konzentriert, sich jeden Tag zu bewegen und gesund und ausgewogen zu ernähren, hauptsächlich mit frischen Lebensmitteln. Bei Gewichtsproblemen gibt es keine schnelle Abhilfe.

Lesen Sie Paulas Meinung zu modischen Strumpfwaren gegen Cellulite und zu Anti-Cellulite-Sneakers (von bliss catalogue) in den Produktbewertungen.

Lesen Sie Paulas aktualisierte Untersuchung der Endermologie .
 

Paula Begoun