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Ein paar offene Worte zu DehnungsstreifenMan kann wohl behaupten, dass niemand gerne Dehnungsstreifen an irgendeinem Teil seines Körpers sieht. Wer diese narbenartigen Linien zum ersten Mal bei sich entdeckt, macht sich gleich auf die Suche nach Abhilfe. Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, erhalte ich eine erstaunliche Zahl von E Mails mit Anfragen, mit welchen Mitteln oder medizinischen Verfahren man diese Dehnungsstreifen loswird. Ich bin mir ganz sicher, dass die Menge dieser Anfragen mit der Vielzahl der Anzeigen zusammenhängt, in denen Methoden versprochen werden, diese Streifen am Körper zu glätten. In der Welt der Kosmetik führt der Wunsch der Verbraucher nach einer makellosen Haut unweigerlich zu Übertreibungen und Mythen hinsichtlich der Wirksamkeit bestimmter Produkte, und Mittel gegen Dehnungsstreifen gibt es wahrlich im Überfluss. Zu den Produkten, die Frauen dazu verleiten, in der Hoffnung auf eine Besserung bei Dehnungsstreifen ihr Geld zu verschwenden, gehören unter anderem StriVectin-SD, Mederma, Vita-K Solution, Magia Bella, Maternity Solutions, ScarSof Scar Softening Cream, Phytomer, Decleor, Mustela und Caudalie. Trotz der Anzeigen, die Sie möglicherweise gesehen haben, und der Behauptungen über diese Mittel, die Sie vielleicht gehört haben, kann keines dieser Produkte nachweisen, dass es eine positive Auswirkung auf die Bildung von Dehnungsstreifen hat oder diese gar verhindern könnte, aber das hält die Kosmetikindustrie natürlich nicht von dem Versuch ab, Ihnen etwas Gegenteiliges einzureden. Mediziner nennen Dehnungsstreifen Striae distensae. Obwohl wir viel über Dehnungsstreifen wissen, gibt es noch immer eine ganze Menge Aspekte der Ursachen und der Beseitigung, die nicht in vollem Umfang erforscht sind (Quelle: www.emedicine.com/derm/topic406.htm).Hier sind die Fakten, die bekannt sind: Dehnungsstreifen entstehen, wenn die Haut über einen längeren Zeitraum abnorm gedehnt wird, zum Beispiel während der Schwangerschaft oder bei Gewichtszunahme, wodurch das faserige Grundgerüst der Haut (in der Form von Kollagen und Elastin) reißt oder zusammenbricht. Die sichtbaren gekringelten Enden von Dehnungsstreifen sind tatsächlich gerissene Elastinfasern unter der Haut. Im Grunde sind Dehnungsstreifen also Narben, die sich von innen nach außen gebildet haben, im Unterschied zu Narben, die bei einer äußerlichen Verletzung entstehen. Es scheint eine genetische Veranlagung zu geben, aber die genaue Verbindung ist nicht klar. Man spekuliert, dass man daran, wie schnell die Haut eines Menschen heilt, erkennen kann, wie tief und wie gravierend Dehnungsstreifen bei dieser Person einmal ausfallen könnten. Ein Mensch, dessen Haut schnell heilt, könnte folglich mit weniger offensichtlichen Dehnungsstreifen rechnen, während Haut, die schlecht (oder langsam) heilt oder zu deutlich sichtbaren, tiefen Narben neigt, im allgemeinen deutlichere Dehnungsstreifen erwarten ließe. Möglicherweise überrascht es Sie zu hören, dass in den USA schätzungsweise 90% aller Schwangeren, 70% aller erwachsenen Frauen und 40% aller erwachsenen Männer Dehnungsstreifen aufweisen. Es scheint dabei keine ethnische Zuordnung zu geben, denn alle Rassen sind gleichermaßen betroffen. Menschen mit hellerer Haut haben normalerweise rosafarbene Dehnungsstreifen, während die Streifen auf dunklerer Haut gewöhnlich etwas mehr pigmentiert sind als die sie umgebende Haut. Verfärbungen durch diese Streifen verblassen mit der Zeit, aber die Haut kehrt leider selten zu ihrem ursprünglichen Aussehen zurück. Gibt es irgend etwas, das Sie tun können, um das Aussehen von Dehnungsstreifen zu verbessern oder um sie ganz verschwinden zu lassen? Erstens einmal müssen Sie wissen, dass es einfach unmöglich ist, Dehnungsstreifen zu verhindern oder sie verblassen oder verschwinden zu lassen, auch wenn viele Produkte in der Werbung angepriesen werden (allen voran StriVectin-SD) mit der Behauptung, sie könnten dies tun. Es gibt keine kosmetischen Inhaltsstoffe, die die Struktur der Haut in einer solchen Weise beeinflussen könnten, dass die Vertiefungen wieder ihre frühere Höhe erreichen. Es gibt allerdings Untersuchungen, die zeigen, dass Tretinoin (der Wirkstoff in Retin-A, Renova, Tazorac oder entsprechenden Generika) eine positive Wirkung ausüben kann. Weil Tretinoin die Elastinsynthese anregen, Kollagen in der Dermis (Lederhaut) neu formen sowie Textur und Farbe der Haut verbessern kann, kann es ein starker Verbündeter (wenn auch kein Heilmittel) sein bei der Verbesserung des Erscheinungsbilds von Dehnungsstreifen. Eine 0,05%ige oder 0,1%ige Tretinoinkonzentration ist empfehlenswert, und die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn man das Präparat gleich bei den ersten Anzeichen von Dehnungsstreifen anwendet. Die typische Verbesserung liegt bei 20%, was nicht gerade berauschend ist, aber immer noch Kosten und Mühe wert sein mag (Quelle: Advances in Therapy , July/August 2001, Jg. 18, Nr. 4, Seite 181–186; Dermatology Nursing , Jg. 16, Nr. 6, Dezember 2004). Schwangere und stillende Mütter befinden sich allerdings in einer Zwickmühle, denn sowohl während der Schwangerschaft als auch beim Stillen darf Tretinoin nicht angewandt werden. Neben der topischen Anwendung von Tretinoin gibt es andere medizinisch-kosmetische Verfahren, die zu sehr guten Ergebnissen führen können. Dazu zählen chemische Peelingbehandlungen und nichtablative Laserbehandlungen. Man hat Studien mit IPL (Intense Pulsed Light)- und PDL (Pulsed Dye Laser)-Behandlungen im 585-nm-Bereich durchgeführt, und nach fünf Sitzungen wurden klinische Verbesserungen festgestellt, wobei die Analyse unter dem Mikroskop zeigte, dass sich Länge, Tiefe und Färbung der Dehnungsstreifen zum Besseren verändert hatten. Diese Art Laser besitzt ein geringes Nebenwirkungsrisiko, wenn man ihn in der vorgeschriebenen Weise und unter Einhaltung der vorgegebenen Zeitintervalle einsetzt (Quelle: Dermatologic Surgery, Dezember 2002, Seite 1124; Dermatologic Clinics, Januar 2002, Seite 55–65), aber sie sind bei dunkleren Hautfarben (einschließlich Amerikanern schwarzafrikanischer Abstammung) nicht zu empfehlen, weil ein Risiko der Überpigmentierung besteht (Quelle: Dermatologic Surgery , Mai 1999, Seite 368). Die Kosten für eine Behandlungsreihe beginnen bei etwa €2.000 und hängen davon ab, wie Ihre Haut auf die Behandlung reagiert und wie hoch die Honorare in Ihrer Gegend liegen. Neben nichtablativen Lasern können Sie auch eine Reihe chemischer Peelingbehandlungen in Erwägung ziehen. In der richtigen Konzentration (typischerweise 20%) kann eine Peelingbehandlung mit Trichloressigsäure (TCA) helfen, das Erscheinungsbild von Dehnungsstreifen zu verbessern, wenn sie von einem Hautarzt oder Schönheitschirurgen durchgeführt wird, der sich damit auskennt. Ein Vorteil von TCA-Behandlungen (und der Grund, weshalb sie helfen können, das Erscheinungsbild von Dehnungsstreifen zu verbessern) ist ihre hautstraffende Wirkung. Weil TCA tiefer eindringt als AHA oder BHA, glaubt man, dass diese Peelingbehandlungen das Kollagen und das Elastin in der Haut eher stimulieren und damit die Tiefe des Hautschadens beeinflussen können. Wie Sie sich erinnern, entstehen Dehnungsstreifen hauptsächlich durch eine Schädigung dieser Fasern, die das Gerüst der Haut bilden. Und noch ein Mythos, den ich platzen lassen muss: Vielleicht haben Sie gehört, dass bestimmte feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe wie Kakaobutter, Vitamin E oder diverse pflanzliche Öle das Auftreten von Dehnungsstreifen verhindern oder vermindern können. So wohltuend und feuchtigkeitsspendend diese Substanzen auch sein mögen, haben sie keinerlei Einfluss darauf, wie sich Dehnungsstreifen bilden. Dehnungsstreifen bilden sich nicht, weil die Haut trocken ist oder eines bestimmten Zusatzes bedarf, sondern sie entstehen tief unter der Oberfläche der Haut aufgrund extremer Spannungen, die schließlich zum Zusammenbruch des inneren Halts führen. Diese Art von Verletzung und Beschädigung kann kein Feuchtigkeitsspender der Welt verhindern oder aufhalten. Paula Begoun |





