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"Spa"- oder Kur-Produkte

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Es ist interessant zu sehen, wie viele Körperpflegeprodukte sich mit dem Zusatz “Spa” (Kur-/Heilbad) schmücken. Eine derartige Vermarktung verleiht diesen Produkten eine Aura von Gesundheitspflege und Heilsamkeit, insbesondere wenn es um den Körper vom Hals an abwärts geht. Diese falsche Vorstellung kann viel Geld kosten und zudem noch Hautprobleme verursachen. Die sogenannten “Spa”- oder Kurprodukte sind nicht das Ergebnis einer besonderen Erleuchtung, noch sind sie auf eine besondere Weise zusammengesetzt. Die meisten Frauen wären wohl schockiert, wenn sie feststellten, dass die meisten dieser Formeln für diverse Körperwaschlotionen, Badesalze, Feuchtigkeitsspender und Badeöle tatsächlich nahezu identisch sind mit den Mitteln aus dem Drogerieladen. Außerdem sind die “Spa”-Produktreihen – wie die meisten Körperpflegeprodukte – stark parfümiert, und die enthaltenen Duftstoffe tun dem übrigen Körper genausowenig gut wie dem Gesicht.

Ich möchte weiß Gott niemandem den Spaß an einer erholsamen, wohltuenden Körperpflege nehmen. Dazu sollte es gehören, dass man sich in warmem Wasser entspannt oder sanft massieren lässt. Aber für die Probleme der Hautpflege bedarf es etwas mehr als süßlich duftender Badesalze und öle, also genau jener Substanzen, die häufig verantwortlich sind für errötete, schuppige, gereizte Haut. Trotz der Verlockungen ihrer Bezeichnung setzen sich diese Produkte in den seltensten Fällen ernsthaft mit den Problemen sonnengeschädigter, unreiner oder empfindlicher Haut, mit den Themen Antioxidationsmittel und reizhemmende Substanzen oder mit Hautkrankheiten wie Rosazea und Schuppenflechte auseinander.

Um „natürlicher“ als andere Produktreihen und überlegen zu wirken, neigen die Kurprodukte sogar eher zum Exzentrischen. Eine Linie warb einmal dafür, dass ihre Produkte „handverlesene Trüffel“ enthielten. Während handverlesene Trüffel (gibt es auch andere?) hervorragend zu Steaks oder in Salaten schmecken mögen, macht sich die Haut wenig daraus. Was zählt, ist, ob Trüffel eine positive Auswirkung auf die Haut haben können. Tatsächlich gibt es einzelne kleine Studien, die zeigen, dass schwarze und weiße Trüffel die Melaninproduktion der Haut wirksam hemmen können und auch einige antibakterielle Eigenschaften besitzen (Quellen: Federation of European Microbiological Societies [FEMS] Microbiology Letters , April 2000, Seite 213–319; Pigment Cell Research , Februar–April 1997, Seite 46–53). Es gibt aber viele verschiedene Produkte mit anderen wirksamen Inhaltsstoffen, die die Haut aufhellen und antibakteriell wirken.

Das Aushängeschild fast aller Kurpackungen sind die allseits beliebten Schlamm-Masken. Insbesondere mit ausländischem Schlamm weckt man das Interesse der Verbraucher – denn wie könnte Schlamm aus dem eigenen Land 40 oder 80 Euro wert sein? Wie reizvoll klingt Schlamm aus Hintertupfingen schon, verglichen mit Schlamm von Ischia oder aus Österreich? “Parafango” ist ein beliebtes Schlagwort bei den Kurpackungen, aber parafango ist keine Wundererde aus einem weit entfernten Land, sondern nur das italienische Wort für „Kotflügel“, „Schutzblech“ oder „Schmutzfänger“. Aber könnte es Gegenden auf dieser Welt geben, deren Schlamm besser ist für Ihre Haut als der von anderswo? Nun, ich habe nach Belegen gesucht und keine einzige Studie gefunden, die zeigt, dass irgendein Schlamm der Haut nützt. Außerdem: Wenn Sie sich einmal im Monat eine Schlamm-Maske verpassen lassen, ist es, als ob Sie einmal im Monat eine Diät machten – es hilft Ihnen kaum dabei, Ihren Körper im Alltag gesund zu halten. Es mag zwar ein schönes Gefühl sein, in Schlamm eingewickelt zu sein und sich einweichen zu lassen, aber der Nutzen ist rein emotionaler Art und hat nichts mit irgendwelchen tatsächlichen Auswirkungen auf Ihre Haut zu tun.

Paula Begoun