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Mitessern
 
Eine Menge Menschen sind verwirrt oder frustriert, wenn es um die Bekämpfung von Mitessern (im Fachjargon Komedonen genannt, Einzahl Komedo) oder Grießkörnern (Fachbegriff Milia, Einzahl Milium) geht. Woher rührt nun all diese Verwirrung? Sie kommt hauptsächlich daher, dass viele Produkte, von denen behauptet wird, dass sie diese schwarzen Punkte aus dem Gesicht verschwinden lassen können, nicht funktionieren. Das Problem besteht fort, und oftmals schaffen diese Mittel nicht nur keine Abhilfe, sondern verschlimmern das Problem sogar noch. Wenn man einmal die irreführenden Werbeversprechen beiseite lässt, ist die Wahrheit über Mitesser (die normalerweise mit fettiger Haut einhergehen) und Grießkörner (die normalerweise mit entweder trockener oder fettiger Haut einhergehen) schwer hinzunehmen. Was ist die Wahrheit? Ohne Umschweife gesagt: Man wird diese Dinger einfach nur sehr schwer los! Es ist schwierig, verstopfte Talgdrüsen zu bekämpfen, aber es gibt Möglichkeiten, etwas zu tun.
Und so geht es: Eine normal funktionierende Talgdrüse produziert eine normale Menge Talg (Fett). Wenn eine normale Talgmenge produziert wird, gelangt sie problemlos durch die Pore an die Hautoberfläche, wo sie schmilzt und einen kaum wahrnehmbaren gesunden Schutzfilm, zum Beispiel im Gesicht, bildet. Die Menge des produzierten Talgs wird fast ausschließlich von Hormonen gesteuert, insbesondere Androgenen, also den Sexualhormonen, die beim Menschen für die männlichen Eigenschaften zuständig sind.
Wenn die Hormone einen zu großen Talgausstoß verursachen, abgestorbene Hautzellen den Weg nach draußen blockieren oder die Talgdrüse eine ungewöhnliche Form besitzt, kann das Fett nicht an die Hautoberfläche gelangen und bildet einen Pfropfen – ideale Voraussetzungen für die Bildung von Mitessern und/oder Grießkörnern. Verschlimmert wird dieser Zustand noch, wenn man Hautpflege- oder Kosmetikprodukte verwendet, deren Inhaltsstoffe dem Talg ähneln. Menschlicher Talg ist eine Mischung aus Triglyceriden, Fettsäuren, Wachsestern, Squalen, Cholesterin und Cholesterinestern. All diese Substanzen findet man typischerweise auch in Tausenden von Kosmetika, Diese Inhaltstoffe können in die Poren der Haut eindringen und den Talgstau noch vergrößern. Interessanterweise und im Gegensatz zu einem weitverbreiteten Irrtum können Mineralöle und Petrolatum (Vaseline) nicht in die Poren eindringen, weil ihre Moleküle zu groß sind. Beide Substanzen fühlen sich fettig an, insbesondere auf fettiger Haut, aber von keiner der beiden ist nachgewiesen, dass sie Talgdrüsen verstopfen oder zur Bildung von Mitessern beitragen. Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn eine Mischung aus abgestorbenen Hautzellen und einem Überschuss an Talg innerhalb der Talgdrüse festsitzen und die Talgdrüse nicht mit Haut bedeckt ist, ist der Talgpfropfen der Luft ausgesetzt, wodurch die Zellen und der Talg zu oxidieren beginnen, was zur dunklen Färbung der Mitesser führt. Wenn die Talgdrüse hingegen mit Haut bedeckt ist, sind die Hautzellen und der Talg nicht der Luft ausgesetzt und behalten ihre helle Farbe, bilden aber eine leichte weißliche Erhebung unter der Haut.
Die ewigen Fragen lauten: Warum bekommen manche Menschen Grießkörner und keine Mitesser? Warum tritt das Problem in einigen Bereichen des Gesichts auf und in anderen nicht? Warum verursachen manche Produkte einen Ausschlag, ohne dass sich Mitesser bilden? Und schließlich: Warum verursachen manche Produkte Mitesser, aber keine Akne? Auf diese Fragen gibt es keine konkreten Antworten. Es scheint hauptsächlich genetische Veranlagung zu sein, die unter den passende Voraussetzungen (siehe oben) in einigen der Tausenden von Poren in unserem Gesicht zur Entstehung von Mitessern führt. Hinzu kommt eine unbekannte Reaktion zu den tausenden und Abertausenden von kosmetischen Inhaltsstoffen, mit denen wir durch die verschiedenen Mittel, die wir verwenden, in Berührung kommen. Abgesehen von der Vermeidung von entsprechenden Produkten (d.h. dicken oder fettigen Cremes) und der Vermeidung von Feuchtigkeitsspendern, sofern man sie nicht wirklich unbedingt braucht, gibt es nur sieben Mittel, mit denen man Mitessern und Hautgrieß zu Leibe rücken kann:
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Sanfte, wasserlösliche Reinigungsmittel –vermeiden Sie Seifenstücke: Die Substanzen, die dem Seifenstück seine Form geben, können die Talgdrüsen verstopfen, und Hautreizungen können dazu führen, dass sich Hautzellen frühzeitig lösen und sich in den Poren ansammeln. Die gute Nachricht ist, dass es eine große Auswahl an geeigneten sanften Reinigern gibt. Menschen mit trockener Haut möchten vielleicht lieber einen Reiniger verwenden, der etwas mehr Feuchtigkeit spendet – aber hier ist Vorsicht geboten: Reiniger mit einer stark lindernden Wirkung enthalten möglicherweise Substanzen, die das Problem zusammen mit dem Talg in Ihrer Haut noch verschlimmern.
- Sanfte Peelings, die überflüssige Hautzellen sowohl von der Oberfläche der Gesichtshaut entfernen (damit sie sich nicht in den Poren ansammeln) als auch von der Innenseite der Pore (um die Form der Talgdrüse zu verbessern, damit der Talg ungehindert durchfließen kann): Denken Sie daran, dass sich auch auf der Innenseite der Talgdrüse Hautzellen befinden, die sich ansammeln können und sie verengen, so dass das Fett nicht auf natürliche Weise ausfließen kann. Aber übertreiben Sie bei diesem Punkt nicht! Zu viel des Guten (d.h. wenn Sie zu viele Hautzellen entfernen) kann Probleme verursachen und der Haut schaden. Peeling ist sowohl für trockene als auch für fettige Haut wichtig, um Mitesser oder Grießkörner zu entfernen. Und auch hier gilt: Wer trockene Haut besitzt, sollte ein Peelingmittel auf einer eher feuchtigkeitsspendenden Basis verwenden.
Die beste Wahl für ein gutes Peelingmittel ist ein ein- oder zweiprozentiges BHA-Mittel in Form eines Gels, einer Flüssigkeit oder einer Lotion. Die Auswahl ist hier immer noch sehr begrenzt. Dazu zählen Olay [Oil of Olaz] Total Effects Anti-Aging Anti-Blemish Daily Moisturizer, Paula’s Choice 1%ige oder 2%ige Beta-Hydroxy-Säure-Produkte und Serious Skin Care Clarifying Treatment mit 2%iger Salicylsäure. Wenn Sie keine Beta-Hydroxy-Säure (Salicylsäure) vertragen, können Sie auch Alpha-Hydroxy-Säure verwenden, aber AHA wirkt hauptsächlich auf der Hautoberfläche und ist nicht in der Lage, in die Poren einzudringen. Das mag zwar auch hilfreich sein, aber Salicylsäure dringt bis zur Innenseite der Talgdrüse vor und kann auch dort wirken.
Übrigens helfen topisch (lokal) anzuwendende Desinfektionsmittel wie Benzoylperoxid oder rezeptpflichtige topische Antibiotika nicht bei der Behandlung von Mitessern und Hautgrieß, weil eine bakterielle Infektion bei diesen Problemen gar keine Rolle spielt.
- Tiefer wirkende Peelingbehandlung: Bei sehr hartnäckigen Mitessern und Grießkörnern kommt auch eine tiefer wirkende Peelingbehandlung in Frage, zum Beispiel eine Mikrodermabrasion, die man entweder zu Hause durchführen kann (mit dem At Home Microdermabrasion System von Neutrogena), bei einem Arzt oder in einem Spabad. AHA- und BHA-Peelings und eine Lasertherapie, das sogenannte Resurfacing („Oberflächenerneuerung“) könnten eine positive Auswirkung auf das Erscheinungsbild von Mitessern und Grießkörnern haben. In Einzelfällen scheint es zu helfen, aber die Forschung ist in diesem Bereich noch sehr begrenzt. Sie sollten sich in jedem Fall vor Augen halten, dass keine dieser Behandlungsmethoden die Hormonfunktion oder die Struktur der Talgdrüse beeinflusst. Hier wird nur vorübergehend das äußerliche Erscheinungsbild verbessert, indem man das Problem an der Oberfläche behandelt.
- Überschüssiges Fett aufsaugen: Diese Maßnahme richtet sich vor allem an Menschen mit fettiger Haut, und sie ist nicht notwendig für Menschen mit Grießkörnern und trockener Haut. Bei trockener Haut liegt das Problem nicht im überschüssigen Fett an der Oberfläche, sondern im Talg, der innerhalb der verstopften Drüse festsitzt. Für Menschen mit fettiger Haut kommen Gesichtsmasken aus Tonerde in Frage, die keine hautreizenden Inhaltsstoffe wie Minze, Pfefferminze, Kampfer und ähnliche enthalten, sowie fettaufsaugendes Papier.
- Retinoidespielen eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Bekämpfung von Mitessern. Retinoide sind Formen von Vitamin A, die tatsächlich dazu beitragen können, dass Hautzellen normal arbeiten. Sie verbessern und die Form der Talgdrüse derart,, dass der Talgfluss normalisiert wird und Verstopfungen unwahrscheinlicher werden. Typische und hinreichend erforschte Retinoide sind Tretinoin (das in rezeptpflichtigen Medikamenten wie RetinA, Renova, Avita und Tazorac enthalten ist) und Adapalen (das in dem rezeptpflichtigen Medikament Differin enthalten ist). Man kann sie allein oder mit einem BHA-Produkt anwenden. Untersuchungen haben zweifelsfrei nachgewiesen, dass Tretinoin und Adapalen eine positive Wirkung auf die Funktion der Talgdrüsen ausüben, und man sollte diese Produkte unbedingt in Erwägung ziehen, wenn man Mitesser oder Hautunreinheiten im allgemeinen bekämpfen möchte.
- Hormonblocker, Antibabypillen und Isotretinoin: Bei Menschen mit stark fettiger Haut können rezeptpflichtige Medikamente wie Hormonblocker oder bestimmte niedrig dosierte Antibabypillen den Hormonspiegel bei den Androgenen senken, die für die Produktion des überschüssigen Fetts verantwortlich sind. Wenn alle anderen Mittel versagen, sollte man unbedingt auch Isotretinoin (Markenname Accutane) in Erwägung ziehen. Auch wenn viele Ärzte zögern, Isotretinoin „bloß“ für fettige Haut und Mitesser zu verschreiben: Wer unter hartnäckigen und dauerhaften Hautproblemen wie diesen leidet, empfindet sie nicht nur als ein „bloßes“ Ärgernis, und Isotretinoin kann hier Abhilfe schaffen. Auf jeden Fall können Sie all diese Möglichkeiten einmal mit Ihrem Arzt besprechen.
- Mitesser entfernen: Das ist kein schönes Thema, aber es liegt nun mal in der Natur des Menschen, dass es fast unmöglich ist, eine Hautunreinheit oder einen Mitesser in Ruhe zu lassen. Zum Glück kann es der Haut sogar helfen, wenn man einen Mitesser oder einen Pickel durch leichtes Ausdrücken vorsichtig entfernt. Wenn man das Zeug, das sich in einem Mitesser oder insbesondere auch in einem Pickel angesammelt hat, entfernt, lässt der Druck nach, und der weitere Schaden wird verringert. Es stimmt, dass Ausdrücken der Haut auch schaden kann, aber es kommt auf das Wie an, ob man nun Schaden anrichtet oder nicht. Wenn man zu stark drückt, zwickt oder die Haut mit den Fingernägeln aufkratzt, ist der Schaden sicherlich größer als der Nutzen. Das Wort, auf das es ankommt, ist „vorsichtig“. Wenn man es richtig macht, ist ein Ausdrücken mit eringstmöglichem Druck die beste – wenn auch nicht die einzige – Art, einen Pickel oder Mitesser loszuwerden.
Wie verhindere ich zu kräftiges Ausdrücken? Ich empfehle zwar nie Gesichtsdampfbäder (durch die Wärme können Besenreiser an die Oberfläche treten, und Wärme kann Reizungen verursachen), aber eine lauwarme bis mäßig warme Kompresse auf dem Gesicht kann helfen, den Mitesser oder Pickel aufzuweichen, was das anschließende Entfernen erleichtert. Waschen Sie Ihr Gesicht zuerst mit einem wasserlöslichen Reiniger. Trocknen Sie die Haut durch Abtupfen, und legen Sie dann ein leicht angewärmtes feuchtes Tuch ungefähr 10 bis 15 Minuten lang auf Ihr Gesicht. Tupfen Sie das Gesicht danach wieder ab, wickeln Sie ein Kosmetiktuch um zwei Ihrer Finger (um ein Abrutschen und eine Verletzung der Haut zu vermeiden) und drücken Sie damit die Haut rund um den Pickel oder Mitesser erst vorsichtig nach unten und dann nach oben, aber nur ein- oder zweimal. Tut sich nichts, bedeutet dies, dass sich der Pickel oder Mitesser nicht entfernen lässt, und wenn Sie fortfahren, verletzen Sie die Haut und riskieren, dass sich die Entzündung oder Läsion noch verschlimmert und sich am Ende eine Narbe bildet. Noch einmal: Wenden Sie nur sanften Druck an, schützen Sie Ihre Haut durch Umwickeln der Finger mit Kosmetiktüchern, und drücken Sie nicht zu kräftig.
- Wie steht es mit Reinigungsstrips? Was mir bei diesen Reinigungsstreifen (auch “Pore Strips” genannt) – die nicht mehr so weit verbreitet sind, wie sie es einmal waren – die größte Sorge bereitet, ist, dass die meisten Benutzer einfach die Warnhinweise missachten, die deutlich auf der Packung zu lesen sind. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man sie nur auf der Nase anwenden soll und nicht auf entzündeter, geschwollener, sonnenverbrannter oder extrem trockener Haut. Es steht dort auch, dass man die Streifen, wenn sie schwer zu entfernen sind, erst befeuchten und dann vorsichtig abziehen soll. Diese Warnung hat durchaus ihren Sinn! Möglicherweise sind Sie anfangs verblüfft, was Sie alles von Ihrer Nase entfernen können. (Wenn Sie sehr oberflächliche, sehr dunkle Mitesser haben, steht es außer Frage: Sie werden beeindruckt sein.) Bei den meisten Menschen sammelt sich etwas Fett oberhalb ihrer Talgdrüsen an (die auf der Nase am dichtesten sind), und ob sie nun diese Reinigungsstreifen benutzen oder ein Stück Klebeband: schwarze Flecken und etwas Haut werden damit entfernt. Aber hilft das? Kurzfristig schon, aber wenn man die Strips wiederholt anwendet, wird man das Problem nicht los, während die Substanzen auf dem Streifen möglicherweise zu Hautreizungen führen, die weiteren Ausschlag verursachen.
Diese Strips kleben so stark, dass eine große Gefahr besteht, die Haut damit zu verletzen, und sie sind ein besonders unsicheres Hilfsmittel, wenn Sie auch RetinA, Renova, AHA- oder BHA-Mittel verwenden, Gesichtspeelings anwenden, Isotretinoin einnehmen, von Natur aus dünne und empfindliche Haut besitzen oder unter einer Hautkrankheit wie Rosazea, Schuppenflechte oder Seborrhö leiden.
(Quellen für diesen Artikel: Cutis, Mai 2005, Seite 289–293; Journal of Drugs in Dermatology, Mai/Juni 2005, Seite 281–288; British Journal of Dermatology, November 2005, Seite 919–924; Clinical Dermatology, September/Oktober 2004, Seite 367–374; Dermatology, Januar 2003, Seite 11–16 und 29–36; Journal of Cosmetic Science, 2001, Seite 211–214; http://www.emedicine.com/DERM/topic2.htm)
Paula Begoun
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