Rosacea


Rosacea ist eine hartnäckige, chronische, tiefsitzende Hautkrankheit, die nicht nur ärgerlich ist, sondern auch schwer zu behandeln ist. Man vermutet, dass sie bei mindestens 3 bis 5 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung auftritt (das sind rund 14 Millionen Amerikaner). Trotz dieser Häufigkeit wird Rosazea von Ärzten und sogar von Hautärzten oft falsch diagnostiziert, und die meisten Menschen wissen nicht einmal, dass diese Krankheit überhaupt existiert. Nach einer Umfrage, die von der National Rosacea Society (www.rosacea.org) in Auftrag gegeben wurde, wussten 78 Prozent der Befragten nicht, was Rosazea ist und folglich auch nicht, wie man sie erkennt.
Einfach ausgedrückt ist Rosacea ein sehr charakteristisches Gesichtshautproblem, das zunächst durch eine Rötung auffällt, die oft in der Form eines Schmetterlings über der Nase und den Wangen auftritt. Anfangs kann dieses „Erröten" sporadisch in Erscheinung treten, aber letztendlich nimmt die Intensität fast immer zu, die Haut wird empfindlicher, und es können zusätzlich Ausschläge, Talgdrüsenerweiterungen, Pickel und eine Erweiterung der oberflächennahen Kapillaren auftreten.
Wenn Sie eine plötzlich auftretende extreme Gesichtsrötung bemerken, die nicht auf Sonne oder Wind zurückzuführen ist und nicht nach kurzer Zeit wieder verschwindet, dann sollten Sie möglicherweise einen Dermatologen aufsuchen. Andere Alarmzeichen sind geborstene Kapillaren (oft in Form eines Netzes auf den Wangen) und Beulen oder Pickel auf der Haut, die kaum oder gar nicht auf normale Aknebehandlung ansprechen.
Jahrelang wurde diese Hauterkrankung einfach als „Akne rosacea" bezeichnet. Leider treten oft Pusteln (Eiterbläschen) und Papeln (rote Knötchen) auf, die rosacea wie Akne aussehen lassen. rosacea tritt selten, wenn überhaupt, zusammen mit Mitessern auf, und oft leiden die Patienten unter anhaltender Trockenheit und Abschuppung im Bereich der betroffenen Hautpartien. Diese diametral entgegengesetzten Symptome können äußerst verwirrend sein, weil die trockene, schuppige Haut kaum auf Feuchtigkeitsspender anspricht und die Beulen und Grießkörner nicht auf typische Aknemittel reagieren. Noch komplizierter wird es bei einer ärztlichen Fehldiagnose, weil die Medikamente, die der Arzt dann verschreibt, den Zustand nur noch verschlimmern. Dank eines neuen Klassifizierungssystems mit vier Unterarten von Rosacea erkennen zum Glück immer mehr Ärzte die Krankheit und stellen die korrekte Diagnose (Quelle: www.rosacea.org).
Beachten Sie, dass Rosacea im Frühstadium auftreten, wieder verschwinden und kurze Zeit später erneut auftreten kann. Auch dieser Wechsel zwischen sichtbaren und spontan verschwindenden Symptomen erschwert eine präzise Diagnose. Trotz dieses mysteriösen Erscheinungsbilds bildet sich die Erkrankung selten von alleine zurück und verschlimmert sich fast immer, wenn sie nicht behandelt wird. Rosacea beginnt oft mit Haut, die anhaltend rot bleibt und nicht zu ihrer normalen Farbe zurückkehrt. Andere Symptome wie erweiterte Blutgefäße, schuppige Flecken, fettige Haut, Empfindlichkeit der Haut und Ausschlag werden immer deutlicher sichtbar. Während die Krankheit fortschreitet, erscheinen Pusteln in Form kleiner roter Eiterbläschen im Gesicht. In einem noch weiter fortgeschrittenen Stadium kann es zu einer roten Knollennase (Rhinophym) und geschwollen Wangen kommen. Allerdings entsteht ein Rhinophym aus einem unbekannten Grund selten bei Frauen.
Was löst Rosacea aus? Auch nach intensiver Forschung und vielen Mutmaßungen wissen wir auf diese Frage noch keine Antwort. Lange Zeit hat man vermutet, dass eine Art Mikrobe (wahrscheinlich Demodex folliculorum) unter der Haut für die Symptome verantwortlich sei, aber es gibt auch andere Theorien über eine allgemeine entzündliche Gefäßerkrankung. Unabhängig von der Krankheitsursache ist eine klassische und wirksame Behandlung mit dem lokalen Medikament Metronidazol möglich, das in MetroGel, MetroLotion und MetroCream enthalten ist. Es gibt auch Studien, die zeigen, dass Adapalen (Differin), lokales Benzoylperoxid mit Erythromycin-Gel oder Azelainsäure in Frage kommen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man die Behandlung beginnt, sobald die Krankheit erkannt wurde, damit sich die Probleme, insbesondere die Erweiterung der Kapillaren, nicht noch verschlimmern (Quellen:Cutis, March 2005, Seite 27-32; International Journal of Dermatology, März 2005, Seite 252-255; Dermatology, Februar 2005, Seite 100-108; Expert Opinion on Pharmacotherapy, Januar 2004, Seite 5-13; Journal of Dermatology, August 2004, Seite 610-617; Archives of Dermatology, November 2003, Seite 1444-1450).
Zu anderen möglichen Auslösern, über die schon viel spekuliert wurde, gehören erbliche Veranlagung, Umwelteinflüsse, Gefäßprobleme, diverse Entzündungen und der Magengeschwüre auslösende MikroorganismusHelicobacter pylori (Quellen: Dermatology, Februar 2005, Seite 100-108; Journal of the American Academy of Dermatology, September 2004, Seite 327-341).
Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten für Rosacea, und man sollte sie alle in Betracht ziehen, denn was bei Ihnen wirkt, mag bei anderen Patienten nicht wirken. Es ist aber von großer Bedeutung, dass Sie etwas finden, was Ihnen hilft, damit Sie das Problem eindämmen und die Symptome lindern (oder möglicherweise verschwinden lassen) können. Leider gibt es all diese lokalen Mittel zur Kontrolle von Rosacea nur auf Rezept. Dazu gehören:
- MetroGel, MetroCream, MetroLotion und Noritate (Wirkstoff Metronidazol)
- Azelainsäure (Azelex als Creme oder Finacea als Gel)
- topische Schwefelpräparate (Klaron, Plexion)
- Adapalen (Differin)
- topisch angewandtes Benzoylperoxid mit Erythromycin
- orale Antibiotika (Tetracyclin), die in Verbindung mit topischen Medikamenten verschrieben werden*
- Accutane (Isotretinoin)
- Laserbehandlungen
(Quellen: Cutis, März 2005, Seite 13-16; Journal of Drugs in Dermatology, Mai/Juni 2004, Seite 251-266; www.emedmag.com/html/pre/cov/covers/121503.asp)
Man sollte beachten, dass einige Patienten kein Metronidazol vertragen. Falls Sie dazugehören, besteht dennoch kein Grund zur Verzweiflung: die Forschung hat nachgewiesen, dass eine Behandlung mit dem Desinfektionsmittel Benzoylperoxid in Verbindung mit dem topischen Antibiotikum Erythromycin eine wirkungsvolle Alternative darstellt (Quelle: The Journal of Dermatology , August 2004, Seite 610-617). Eine andere Studie verglich die Resultate von Behandlungen mit 0,75%igem topischem Metronidazol (MetroLotion) und mit 15%iger Azelainsäure (Finacea). Nach fünfzehnwöchiger Behandlung erzielten die 251 Versuchspatienten mit beiden Mitteln Erfolge, wenngleich der Erfolg bei Azelainsäure geringfügig besser ausfiel war (Quelle: Archives of Dermatology, Oktober 2004, Seite 1282-1283).
Wenn die Entzündung und Rötung der Rosacea zusammen mit zahlreichen Papeln und Pusteln auftritt, haben Untersuchungen gezeigt, dass das rezeptpflichtige lokale Medikament Differin (Wirkstoff Adapalen) wirksame Linderung verschafft. Allerdings hat das Differin keine Auswirkung auf die Gesichtsröte und sollte daher, wenn man optimale Ergebnisse erzielen möchte, in Verbindung mit Metronidazol angewandt werden (Quelle: International Journal of Dermatology, Jg. 44, Nr. 3, März 2005, Seite 252-255). Manche Dermatologen verschreiben auch Tretinoin (RetinA, Tazorac), obwohl die meisten Rosacea-Patienten die Nebenwirkungen dieser VitaminA-Medikamente nicht vertragen können (Quelle: www.drnase.com/Prescipt_ions.htm).
In äußerst hartnäckigen Fällen von Rosacea, die nicht auf die genannten Behandlungsmethoden ansprechen, kann auch die Anwendung des extrem potenten oralen Arzneimittels Isotretinoin (Accutane, auch als Generikum erhältlich) erwogen werden. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass es in Fällen behandlungsresistenter Rosacea gewirkt hat, und das bereits in äußerst geringer Dosierung. Niemand weiß genau, wie und warum Isotretinoin bei Rosacea wirkt, aber die Erfolgsquote ist ermutigend, und nach der Behandlung haben sich die Schwellungen und Verformungen der Talgdrüsen häufig zurückgebildet (Quelle: Archives of Dermatology, Juli 1998, Seite 884-885; Dr. med. David J. Leffell, Total Skin, Hyperion, 2000, Seite 337).
Beim Versuch, die normale Farbe und das gesunde Aussehen roaceageschädigter Haut wiederzustelllen wurden viel versprechende Ergebnisse bei der Behandlung mit lokalen und oralen rezeptpflichtigen Arzneien in Kombination mit nichtablative Laser- und IPL-(Blitzlampen-)Behandlungen. Während rezeptpflichtige Medikamente wie MetroCream oder Azelex helfen, die theoretischen Ursachen von Rosacea zu bekämpfen und die Symptome verringern, bieten sie keine allumfassende Lösung. So werden normalerwiese die Rötungen im Gesicht und die Telangiektasien (Besenreiser) durch lokale Rosaceabehandlungen nicht beseitigt (Quellen: Journal of Drugs in Dermatology, September/Oktober 2004, Seite 12-22; Journal of the American Academy of Dermatology, Oktober 2004, Seite 592-599; British Journal of Plastic Surgery, Juni 2004, Seite 303-310; Journal of Drugs in Dermatology , Juni 2003, Seite 254-259). Obwohl Laser- und Blitzlampentherapien sehr Erfolg versprechend sind, sollten Sie bei Ihren Erwartungen realistisch bleiben: höchstwahrscheinlich werden Sie eine Minderung (aber kein Verschwinden) der leidigen Gesichtsröte feststellen. Außerdem sollten Sie beachten, dass üblicherweise bis zu sechs Behandlungen notwendig sind, um zufrieden stellende Resultate zu erzielen.
Wenn bei Ihnen Rosacea diagnostiziert wurde, achten Sie auch auf eine ernstzunehmende Komplikation namens „okuläre Rosacea". Damit bezeichnet man eine Augenrosacea, die einem Bericht in der März-Ausgabe 2001 der Zeitschrift Cosmetic Dermatology zufolge von Ärzten häufig nicht erkannt und folglich nicht behandelt wird. Patienten mit okulärer Rosacea verspüren häufig eine Reizung der Augen und Augenlider sowie Gerstenkörner und chronisch gerötete Augen. In seltenen Fällen kann die okuläre Rosacea auch auf die Augenhornhaut übergreifen. Diesen Zustand kann man in Verbindung mit oralen oder lokalen Antibiotika normalerweise miet lindernden Augentropfen (aber nicht Visine) behandeln. Bevor Sie aber irgendeine Maßnahme ergreifen, sollten Sie unbedingt einen Haut- oder Augenarzt konsultieren.
Hautpflege bei Rosacea
Ganz gleich, für welche Behandlungsmethode oder Kombination Sie und Ihr Arzt sich entscheiden: es ist wichtig, dass Sie auch bei Ihrer täglichen Hautpflege Schritte unternehmen, die sicherstellen, dass diese so sanft wie möglich zu Ihrer Haut ist. Menschen mit Rosacea hilft es, die Gefahr von Ausbrüchen und Verschlimmerungen zu mindern, wenn sie das Risiko von Hautreizungen oder Empfindlichkeitsreaktionen reduzieren. Produkte ohne Duft- und Reizstoffe sind sehr wichtig, aber es kann auch von Bedeutung sein, Waschlappen, Gesichtspeelings für den Hausgebrauch, alkoholhaltige Produkte, heißes Wasser und Dampfbäder zu meiden (Quellen: Cutis, März 2005, Seite 17-21 und März 2004, Seite 183-187; Dermatologic Therapy, 2004; 17 Anhang 1, Seite 26-34).
Allgemein ausgedrückt ist es für Rosaceapatienten am besten, wenn Sie sich an die folgenden Grundregeln halten:
- Milde, die Haut nicht austrocknende wasserlösliche Reiniger (absolut keine Seifen- oder Waschstücke)
- Sonnenschutzmittel mit SPF 15 (LSF 8) oder höher mit den Wirkstoffen Titandioxid und/oder Zinkoxid (andere Wirkstoffe könnten die Haut möglicherweise reizen). Menschen mit fettiger Haut, die unter Rosacea leiden, könnten alternativ eine Grundierung und einen gepressten Puder mit Sonnenfilter verwenden.
- Feuchtigkeitsspender mit Antioxidationsmitteln und lipidsperreschützenden Inhaltsstoffen (zur Verbesserung der Hautfunktion)
- Salicylsäure (BHA) als Peelingmittel**
Bis Ihre Rosacea vollständig unter Kontrolle ist, sollte Sie alle potentiellen Ursachen für ein Wiederaufflammen der Erkrankung vermeiden, wie etwa körperliche Anstrengung, Kochen an einem heißen Herd, zuviel Zeit im Freien bei heißem sommerlich heißem oder winterlich kaltem Wetter, Alkoholkonsum oder alles, wodurch die Haut röten oder sich heiß anfühlen könnte. Vielen Patienten hilft es, wenn sie ein Tagebuch führen, in dem sie protokollieren, was zu einem Rosacea-Schub führt und wie sie auf bestimmte Hautpflege- und Kosmetikprodukte reagieren. Versuchen Sie, so weit wie möglich Stress zu vermeiden. Dazu können Sie auch alternative Methoden der Stresskontrolle ausprobieren, zum Beispiel Meditation und kontrolliertes, konzentriertes Atmen. Sprechen Sie mit Ihrem Hautarzt darüber, welche rezeptfreien entzündungshemmenden Medikamente (Aspirin, Naproxen, Ibuprofen) in Frage kommen, um Ihre Rosacea-Ausbrüche abzumildern.
Inhaltsstoffe, die man meiden sollte
Obwohl es fast unmöglich ist, alle Inhaltsstoffe aufzuführen, die bei Menschen, die unter Rosacea leiden, eine Reaktion auslösen könnten, ist die folgende Liste eine gute Grundlage. Denken Sie daran, dass nicht jeder in gleicher weise gleich auf diese Stoffe reagiert.
- Aceton
- Alcohol denat., Ethanol oder Isopropylalkohol (IPA)
- Alkohol oder „Alcohol denat.“, gefolgt von einer Zahl (Inhaltsstoffe wie Cetylalkohol oder Stearylalkohol hingegen sind allgemein gebräuchliche, gutartige, wachsähnliche kosmetische Verdickungsmittel und verursachen keinerlei Reizungen)
- Ammoniak
- Arnika
- Ascorbinsäure
- Bentonit
- Benzalkoniumchlorid
- C14-16-Natriumsalz
- Duftstoffe aller Art
- Eichenrinde
- Eukalyptus
- Fenchel
- Fenchelöl
- Fichtennadeln
- Geranien
- Gewürznelken
- Goldmelisse
- Hamamelis
- Kakaobutter
- Kamille
- Kampfer
- Kleeblüte
- Koriander
- Lavendel
- Limetten
- Maisstärke
- Majoran
- Melisse
- Menthol
- Minze
- Natriumdodecylsulfat
- Papaya
- Pfefferminze
- Phenol
- Sandelholzöl
- Schachtelhalme
- Springkraut
- Thymian
- Tris(2-hydroxyethyl)ammoniumdodecylsulfat
- Wintergrün
- Ylang-Ylang
- Zimt
- Zitrone
- Zitronengras
- Zitronenmelisse
- Zitrussäfte und öle (wie Grapefruit oder Orange)
The Rosacea Review, ein Online-Newsletter der National Rosacea Society, zu finden unter www.rosacea.org/rr/, ist eine ausgezeichnete (englischsprachige) Quelle für detaillierte und aktuelle Informationen zur Rosaceaforschung und -therapie.
*) So wirksam ein orales Antibiotikum in der Anfangsphase auch sein mag, können Bakterien mit der Zeit eine Immunität dagegen aufbauen, wodurch die Symptome wieder zurückkehren. Die meisten Studien zur Bakterienresistenz gegen Antibiotika stützten sich auf Untersuchungen in anderen Anwendungsbereichen, wie etwa bei Akne und infektiösen Erkrankungen. Ob diese Fakten auch für Rosacea zutreffen, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen (Quellen: International Journal of Antimicrobial Agents, März 2004, Seite 209-212; Dermatology, Januar 2003, Seite 54-56; Expert Opinion on Pharmacotherapy, März 2005, Seite 409-418; and American Journal of Clinical Dermatology, April 2003, Seite 813-831).
**) BHA ist eine interessante Option bei rosacea, weil es nicht nur die Haut abschält und die Funktion der Talgdrüsen verbessert, sondern auch entzündungshemmend wirkt (aufgrund seiner Verwandtschaft mit Aspirin [Acetylsalicylsäure]), was dabei helfen kann, die Gesichtsrötung zu mildern, die von den Papeln und Pusteln verursacht wird, die mit der Erkrankung einhergehen. BHA wirkt außerdem antimikrobiell und kann auf diese Weise die Anzahl der Mikroben vermindern, die man als Ursache des Problems vermutet. Wie jede andere Therapie gegen Rosacea wirkt auch Salicylsäure nicht bei jedem Patienten (einige können es überhaupt nicht vertragen), aber es ist vergleichsweise preiswert und einen Versuch wert (Quellen: Dermatology, Januar 1999, Seite 50-53; Pain, September 1995, Seite 339-347; Archives of Dermatology, November 2000, Seite 1390-1395).
Paula Begoun