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Wie Kosmetikwerbung irreführt

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Vieles, was man uns über Hautpflege und andere kosmetische Bedürfnisse erzählt, ist schlicht und einfach verblüffend. Deshalb ist es wichtig, dass man sich an der Wirklichkeit, der Wahrheit und ausgewogenen Informationen orientiert und die unfundierten, als ernsthafte Informationen getarnten Werbesprüche, mit denen die Industrie fortwährend um sich wirft, einfach ignoriert. Viele der nachfolgend genannten Begriffe oder Phrasen sind Ihnen vermutlich schon einmal im Zusammenhang mit Hautpflege- oder Make-up-Produkten begegnet. Mit solchen Sprüchen sollen Käufer angelockt werden, auch wenn die Aussagen schwammig oder unlogisch sind.

 

“Antiaging”
Ach, wäre das schön! Ein Mittel gegen das Altern! Tausende von Hautpflegemitteln werden mit dem Versprechen verkauft, sie könnten Falten verschwinden lassen und verhindern, dass die Haut altert. Sie enthalten einen Mischmasch an Zutaten und Formeln, aber es gibt dabei kein einheitliches Schema. Und trotzdem wird von allen behauptet, sie können das Altern (engl. “aging”) aufhalten, aber keines der Mittel hält tatsächlich Falten auf oder lässt sie verschwinden. Es gibt tolle Mittel, durch die die Haut besser aussieht, aber niemand von uns ist durch die Hautpflegemittel, die wir kaufen, eine einzige Falte losgeworden.

„Geschmeidig machende pflanzliche Substanzen“

Mit diesen Substanzen sind Pflanzen wie Blumen oder Kräuter gemeint oder auch Pflanzenextrakte in Form von Ölen oder Säften. Macht irgend etwas davon geschmeidig? Es gibt ganz sicher einige geschmeidig machende pflanzliche Substanzen, wie Grüner Tee, Kolaextrakt, Weidenröschen, Bisabolol, Süßholz-/Lakritzwurzel (Glycyrrhetinsäure) und Klettenwurzel, um nur ein paar zu nennen. Es gibt aber auch sehr viele natürliche Inhaltsstoffe – von Zitronen über Erdbeeren und Lavendelöl bis zu Jojoba –, die für viele Hauttypen problematisch sind, weil sie entweder die Haut reizen oder die Talgdrüsen verstopfen. Ich kann Ihnen gar nicht die Zahl der Produkte nennen, die ich gefunden habe, von denen behauptet wird, sie seien gut für empfindliche Haut, obwohl sie eine Menge dieser Reizstoffe enthalten.

„Oberflächenfältchen“
Achten Sie auf das Wort „Oberfläche“ – es ist ein sehr wirksames Werkzeug in der Kosmetikwerbung! „Oberflächenfältchen“ bezieht sich nämlich tatsächlich nur auf die vorübergehend sichtbaren Hautfältchen, die durch Trockenheit entstehen, nicht aber auf die Falten, die eine Folge von sonnenbedingten Strahlungsschäden sind (denn solche Falten kann man kaum als oberflächlich bezeichnen). Von den meisten Mittel könnte behauptet werden, dass sie Oberflächenfältchen ausgleichen, und es wäre keine Lüge. Oberflächenfältchen verschwinden nämlich, wenn man irgendeinen Feuchtigkeitsspender aufträgt, und das ist wunderbar. Aber – und ich wiederhole: aber! – die Oberflächenfältchen sind nicht die, die Ihnen Sorgen bereiten. Dauerhafte Falten – wie etwa Lachfalten, Furchen zwischen den Augen und auf der Stirn sowie Ausdrucksfalten – werden von Feuchtigkeitsspendern nicht beseitigt, es sei denn, diese enthalten zusätzlich Reizstoffe, die die Haut vorübergehend anschwellen lassen. Das Wort „Oberflächenfältchen“ ist irreführend, weil es sich nicht wirklich auf die Falten bezieht, derentwegen sich die meisten Frauen sorgen.

„Speziell für den besonders zarten Augenbereich“
Wer so wirbt, möchte wahrscheinlich, dass Sie seine Augencreme nur um die Augen verwenden, was bedeutet, dass Sie zusätzlich noch eine Lotion für das übrige Gesicht kaufen sollen – aber die Inhaltsstoffe dieser beiden Produkte sind selten so unterschiedlich, dass sie die zusätzlichen Kosten rechtfertigen, und enthalten selten eine spezielle Formel, die ausschließlich auf den Augenbereich abgestimmt ist. Es gibt keinen Grund, Augencreme nicht im ganzen Gesicht zu verwenden oder Gesichtslotion auch im Bereich der Augen. Der einzige Fall, in dem eine spezielle Augencreme notwendig wäre, ist der, bei dem die Haut um die Augen eine andere wäre als die im restlichen Gesicht, das einen mehr oder weniger weichmachenden Feuchtigkeitsspender benötigt, aber das ist etwas anderes als das Bedürfnis für eine Augencreme.

„Sichtbare Straffung mit nachgewiesener Wirkung“

Der in dieser Anzeige erwähnte Nachweis erklärt nicht, worauf sich die Verbesserung bezieht. Ist es ein Vergleichsprodukt? Oder wurde eine Gesichtshälfte mit Alkohol abgerieben? Es wird auch nichts darüber gesagt, wer die Verbesserung beurteilt hat. War es die Herstellerfirma selbst? In diesem Fall gab es natürlich gute Gründe dafür, eine Besserung festzustellen! Solche Aussagen hören sich zwar immer gut an, aber sie sind völlig sinnfrei.

„Reparatur über Nacht“
Hier wird die Vorstellung suggeriert, eine Creme könne irgendwie über Nacht die Reproduktion der Zellen erhöhen und Zellschäden reparieren. Mit einem Feuchtigkeitsspender kann man erstaunliche Ergebnisse erzielen und eine geschmeidigere, gesünder aussehende Haut erreichen, aber all das ist nur vorübergehend. Sobald Sie das Mittel absetzen, verfällt alles wieder in seinen ursprünglichen Zustand. Wenn man die Art und Weise beeinflussen könnte, in der sich Zellen vermehren, hätte niemand Falten oder sonnenbedingte Hautschäden, und niemand litte unter Hautkrebs.

„So fortschrittlich, dass es patentiert ist“
Ein Patent wird erteilt, wenn der Hersteller nachweisen kann, dass eine Formel oder ein Inhaltsstoff auf irgendeine Weise einzigartig ist. Es kann auch die Verwendung eines existierenden Stoffes oder einer Formel für einen bestimmten Zweck schützen. Aber all dies hat nichts mit der Wirksamkeit zu tun. Ein Unternehmen kann eine gute Formel ebenso patentieren lassen wie eine fürchterlich schlechte, eine mit nachweisbarem Nutzen ebenso wie eine mit falschen Versprechungen – solange sie einzigartig ist. Das ist alles, was ein Patent bedeutet: Es stellt lediglich fest, wer eine Formel oder einen Stoff nutzen und vertreiben darf oder wer sie öffentlich für einen bestimmten Nutzen anpreisen darf. Die meisten großen Kosmetikfirmen besitzen Tausende von Patenten, aber das sagt nichts darüber aus, wie fortschrittlich oder wie mittelmäßig diese Patente sind.

„Dringt tief in die Hautschichten ein“
„Eindringen“ ist ein weiteres sehr eindrucksvolles, doch ungenaues Wort. Fast jeder Inhaltsstoff eines Kosmetikums dringt, sofern seine Moleküle klein genug sind, in die Haut ein, aber die Moleküle vieler Substanzen sind einfach zu groß, um in die Haut einzudringen. Wenn eine Substanz in der Lage ist, in die Haut einzudringen, dann wird meistens noch das Wort „Schichten“ in die Beschreibung hineingeworfen, um Sie zu verwirren. Die Schichten der Haut sind so mikroskopisch klein, dass man sie vernachlässigen kann. Eine Creme kann viele Hautschichten durchdringen und ihr Ziel dennoch nicht erreichen.

„Tiefenreinigung“
Dieser Begriff hat mich immer verblüfft. Wie tief ist „tief“? Das hört sich an wie ein Zahnarzt, der Ihnen in den Zähnen bohrt. Ich kann den Bohrer förmlich hören, der versucht, in Ihre Talgdrüsen einzudringen! Wenn ein Mittel tief – und ich meine wirklich tief! – reinigen könnte, dann müssten Sie davon bluten, aber niemand bekäme jemals wieder Mitesser, weil man sie durch „Tiefenreinigung“ beseitigen würde. In diesem Fall bedeutet „Tiefenreinigung“ aber wohl eher „gründliche Reinigung“, und das ist in Ordnung. Aber Kosmetikfirmen leisten der Vorstellung Vorschub, dass „tiefenreinigende“ Produkte in eine Talgdrüse eindringen und den Mitesser beseitigen könnten. Es gibt Möglichkeiten, das Zeug aufzulösen, das die Talgdrüse verstopft, aber mit „Tiefenreinigung“ ist es nicht getan.

Paula Begoun